Immer mehr reiche Deutsche reagieren auf Niedrigzinsen, nachteilige Rahmenbedingungen bei Banken sowie volatile Kapitalmärkte: Sie lassen ihr Vermögen professionell von Family Offices verwalten. Auf welche Details Vermögende bei der Auswahl achten sollten.

Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, doch Schätzungen gehen für Deutschland aktuell von mehr als 400 Family Offices mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 180 Milliarden Euro aus. Tendenz steigend. Auf diese Schätzwerte muss zurückgegriffen werden, da die konkrete Definition eines Family Offices so spezifisch und individuell ist, wie die Familien selbst, die es beauftragt.

Ausgangspunkt ist in der Regel ein Familienunternehmen. Basierend auf der Erkenntnis, dass eine Trennung zwischen dem Familienvermögen innerhalb und außerhalb des Unternehmens sinnvoll ist, werden die ersten Strukturen bspw. in Form eines Gesellschafterbüros erschaffen. Es entsteht ein sogenanntes Embedded FO, das sich um die persönlichen finanziellen Erfordernisse der Gesellschafterfamilie kümmert.

Ein Family Office kann unterschiedliche Formen annehmen

Mit der Ausweitung des Tätigkeitsspektrums kann der weitere Ausbau zu einem Single oder gar Multi Family Office erfolgen. Während erstere das Vermögen von nur einer Familie betreuen, tun sich bei einem Multi Family Office mehrere Familien zusammen, um Dienstleistungen, Aufgaben und Kosten zu teilen. Dabei gilt oft der simple wie eingängige Zusammenhang: Je größer das verwaltete Vermögen, umso geringer sind die relativen Kosten des Family Offices. Umso qualifiziertere Mitarbeiter können eingestellt und mehr Dienstleistungen internalisiert werden. Oftmals wächst durch erfolgreiches Agieren ein Single zu einem Multi Family Office, so wie im Falle HQ Trust. Das bedeutet: Obige Mechanismen können den Erfolg des Multi Family Offices weiter festigen.

Die Unterschiede zwischen den Family Offices sind groß

Die konkrete Ausgestaltung und der Umfang der Dienstleistungen variieren von Family Office zu Family Office. Es gibt Häuser, die sich lediglich auf das Reporting und die Überwachung mandatierter externer Verwalter beschränken. Andere legen auch aktiv Teile der Familiengelder an, typischerweise in einzelnen spezialisierten Anlageklassen, wie etwa Immobilien, Wald oder Wandelanleihen, zu denen historisch eine gewisse Affinität besteht.

Bei HQ Trust umfassen die Tätigkeiten Analyse und Strategieentwicklung, Beratung und Umsetzungsbegleitung, Vermögenskontrolle und weitere Services, zu denen beispielsweise auch eine Unterstützung bei der Auswahl von Anwälten und Notaren kommen kann. Wichtig sind eine klare Strategie, vorausschauende Planung, sowie eine professionelle Steuerung der Vermögenswerte. Welche Aufgaben ein Kunde an das Family Office überträgt und welche er selbst übernimmt, entscheidet er selbst.

Der generationsübergreifende reale Kapitalerhalt steht im Vordergrund

Wenn Familien ihr Vermögen einem Family Office anvertrauen, steht in der Regel, wie auch bei der Familie Harald Quandt, der generationsübergreifende reale Kapitalerhalt im Vordergrund. Um dieses Anlageziel finanziell sicherzustellen, werden in deutlich höherem Umfang auf Aktien und Alternative Anlageklassen zurückgegriffen.
Unter Alternativen Anlageklassen werden Beteiligungen an nicht-börsennotierten Unternehmen (Private Equity), private Darlehensvergabe (Private Debt), Hedgefonds und auch internationale Immobilieninvestments subsumiert. Pauschalisierend kann konstatiert werden, dass Family Offices in ihrer Vermögensaufteilung mehr auf eigenkapitalbasierte Investitionsmöglichkeiten achten: Das unternehmerische Handeln, dass in der Regel Ursprung des Reichtums war, soll sich so in derivativer Form in den Familienvermögen widerspiegeln.

Family Offices legen Wert auf das Heranführen der Nachfolgegeneration

Der generationsübergreifende Kapitalerhalt bringt aber nichts, wenn die übernehmende Generation nicht verantwortungsvoll mit dem Vermögen umgeht. Deswegen legen Family Offices typischerweise sehr viel Wert auf das Heranführen der Nachfolgegeneration an die bevorstehende Verantwortung. Neben der Ausbildung kommt der optimalen gesellschaftsrechtlichen Strukturen ein besonderes Augenmerk zu.
Essenzielle Fragestellungen wie Entnahme- oder Nachfolgeregelungen sollten belastbar festgelegt werden. Gleiches gilt natürlich auch für die Mechanismen zur Änderung des verabschiedeten Regelwerkes. Damit soll alles unternommen werden, um den prophezeiten Vermögensschwund zu verhindern. Schließlich sagt ein Sprichwort: „Die erste Generation erbaut’s, die zweite Generation erhält’s, in der dritten Generation zerfällt’s.“

Was will ich mit meinem Vermögen erreichen?

In der grundlegenden Fragestellung: „Was will ich mit meinem Vermögen erreichen und nach welchen Grundsätzen soll es angelegt werden?“ unterscheiden sich die Antworten Vermögender kaum von den weniger betuchten Mitbürgern. Aber der zur Verfügung stehende Instrumentenkasten unterscheidet sich gewaltig.
Durch die Option die Verwaltung des Vermögens viel tiefer zu bestimmen, können nachteilige Restriktionen bankseitiger Lösungen überwunden werden. Vielmehr kann eine individuell zugeschnittene Anlagestrategie mit einem breiteren Anlageuniversum, maximierter Interessensgleichrichtung und deutlich höherer Kontrolle umgesetzt werden. Kurz gesagt, begründen diese strukturellen Unterschiede eine Regel, die weiterhin Bestand haben wird: Je größer das Vermögen, umso besser sind die Ergebnisse der Vermögensanlage.

Zum Autor
Christian Neuhaus entwickelt seit Ende 2018 fachbereichsübergreifend mit Kollegen digitale Lösungen für Mandanten und das Unternehmen. 2011 begann er bei dem Multi Family Office HQ Trust in der Betreuung und umfassenden Beratung von Unternehmerfamilien. Anfang 2017 wechselte er als Geschäftsführer zur LIQID Asset Management GmbH nach Berlin, einer Beteiligung des Unternehmens, um sich eingehend mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung zu beschäftigen.

Zu HQ Trust
HQ Trust ist das Multi Family Office der Familie Harald Quandt. Wir kümmern uns um das Vermögen von Privatpersonen, Familien und Stiftungen. Für institutionelle Anleger, Pensionskassen und Versorgungswerke sind wir beratend tätig. Unser Team bietet Dienstleistungen in Geschäftsbereichen Family Office, Private Vermögensverwaltung sowie Alternative Investments.

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Christian Neuhaus
Partner, Strategische Projekte und Digitalisierung
HQ Trust
Christian Neuhaus entwickelt seit Ende 2018 fachbereichsübergreifend mit Kollegen digitale Lösungen für Mandanten und das Unternehmen. 2011 begann er bei dem Multi Family Office HQ Trust in der Betreuung und umfassenden Beratung von Unternehmerfamilien. Anfang 2017 wechselte er als Geschäftsführer zur LIQID Asset Management GmbH nach Berlin, einer Beteiligung des Unternehmens, um sich eingehend mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung zu beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
  1. Die Unterschiede zwischen den Family Offices sind groß
  2. Der generationsübergreifende reale Kapitalerhalt steht im Vordergrund
  3. Family Offices legen Wert auf das Heranführen der Nachfolgegeneration
  4. Was will ich mit meinem Vermögen erreichen?
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