Eins vorab: Die Skepsis vieler Anleger gegenüber Hedgefonds ist berechtigt. Es gibt zu viele Manager am Markt. Bei vielen von ihnen stimmt das Preis­Leistungs­Verhältnis nicht. Und zu allem Überfluss waren die Erträge der vergangenen Jahre im Durchschnitt dürftig. Teufelszeug sind Hedgefonds trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil: ein genauerer Blick lohnt. Schon alleine, weil die Anfang 2018 in Kraft getretene Investmentsteuerreform und der damit verbundene Wegfall des Steuerreportings für sogenannte „offshore“-Fonds Investoren ein erweitertes Universum und neue attraktive Möglichkeiten bieten, in die Anlageklasse zu investieren.

Aber auch, weil im aktuellen Zinsumfeld mit den niedrigen, zukünftigen Ertragserwartungen für stabile Anlagewerte, wie etwa Staatsanleihen, Hedgefonds das stabile Fundament für das Gesamtportfolio bilden können. Allerdings gehört dazu, das richtige Verständnis für die Anlageklasse zu bekommen. Der Grundfehler vieler Kritiker ist die Annahme, dass es „den“ Hedgefonds gibt. Hedgefonds sind aber keine homogene Anlageklasse. Das zeigt schon alleine ihre Einteilung in vier Hauptstrategien und 27 Substrategien, in denen mehr als 10.000 Fonds zusammengefasst werden.

Anstatt auf „den“ Hedgefonds zu schauen, sollten Investoren die Anlageklasse daher eher als Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher alternativer Anlagestrategien begreifen, die attraktive Charakterzüge haben, in der falschen Zusammensetzung aber natürlich auch schlechte Ergebnisse liefern können. Daher liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Auswahl der richtigen Manager. Was viele Investoren nicht wissen: Die Unterschiede zwischen den Managern sind bei Hedgefonds selbst bei der gleichen Strategie oder Substrategie deutlich höher als bei Aktien­ und Rentenmanagern.

Der Mehrwert durch die Managerauswahl ist signifikant

Unsere Berechnungen schätzen das Potenzial der optimalen Auswahl auf bis zu acht Prozent p.a. Hierbei handelt es sich allerdings um ein zweischneidiges Schwert, da das Risiko einer falschen Managerauswahl groß ist, und das Potenzial zu einem negativen Ergebnis werden kann. Neben der Erfahrung lohnt es sich daher, das jeweilige Verständnis der Anlageklasse zu hinterfragen: Hedgefonds sollten immer im Gesamtportfoliokontext und als Investitionslösung betrachtet werden, die spezielle Anforderungen erfüllt. Zentraler Bestandteil sollte daher die Definition von konkreten Zielen sein, die mit einem Portfolio erreicht werden sollen.

Der wahre Wert von Hedgefonds zeigt sich nicht in Bullenmärkten, sondern vielmehr in einem schwierigen Marktumfeld, wenn der Kapitalerhalt an Wichtigkeit gewinnt.

Bei dieser Zieldefinition gilt es neben dem absoluten Ertrag eine Vielzahl weiterer Kriterien zu berücksichtigen. Beispielsweise ist es bei der Aufsetzung eines Hedgefonds-Portfolios wichtig, welche Sensitivität zum Aktienmarkt erwartet wird. Häufig beklagen Kritiker die hohe Korrelation von größer als 0,8. Doch diese Zahl gilt lediglich für die Manager im Durchschnitt. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt eine immense Streuung der Aktienmarkt­Sensitivitäten bei einzelnen Managern und ermöglicht daher, auch gering korrelierte Portfolios zu konstruieren. Zusätzlich hilft dieser Ansatz beim Erwartungsmanagement und der Beurteilung der langfristig realisierten Ergebnisse.

Aufschlussreiche Analyse realer Kundenportfolios

Zuletzt brachte eine Analyse realer Kundenportfolios die Erkenntnis, dass im heutigen Marktumfeld mit historisch niedrigen Zinsen viele Portfolios eine höhere Sensitivität zum Aktienmarkt aufweisen. Strategien, die ein solches Portfolio diversifizieren und die inhärenten Risiken minimieren, sind demnach attraktive Komplementäre. Daher sollte ein effizient verwaltetes Hedgefonds-Portfolio als Zielvorgabe haben, langfristig Aktienmarkt-neutrale Erträge zu erwirtschaften – sprich, mit einem Beta von null. Zudem ist es wichtig, Schutz bei schweren Marktverwerfungen zu bieten und einen positiven Ertrag zu erwirtschaften.

Die Zieldefinition umfasst aber mehr als nur den absoluten Ertrag und dient als Grundlage für die Selektion der Zielinvestments. Unabhängig von der allgemein gültigen Einteilung sollten aber Manager beziehungsweise Strategien ausgesucht werden, die alleinstehend das vorgegebene Anforderungsprofil erfüllen und in Kombination als ein diversifiziertes Portfolio die definierten Ziele erreichen können.

Dass dies funktionieren kann, zeigt der Vergleich realer Portfolios: Das Beta zum MSCI World liegt hier seit Auflage bei -0,02, wobei in jedem Jahr ein positiver Ertrag erzielt werden konnte. Gerade aktienlastige Portfolios kann dieser Ansatz auch in schwierigen Marktphasen stabilisieren. So wurde über rollierende 3­Monatszeiträume hinweg, bei negativen Entwicklungen an den Aktienmärkten, im Durchschnitt ein positiver Ertrag von 1,7 Prozent erwirtschaftet. Eine Simulation von historischen Szenarien führt ebenfalls zu einem positiven Fazit: Das Portfolio hätte während der Finanzkrise rund 10 Prozent Ertrag erwirtschaftet.

Lassen sich alle Kritikpunkte an Hedgefonds widerlegen?

Definitiv nicht. Die absoluten Erträge sind niedriger als in der Vergangenheit und die Gebühren höher als bei ETF-Portfolios. Und dennoch sind Strategien wie die hier skizzierte attraktiv für Anleger: In einem Marktumfeld, in dem die Stabilität der historischen Abhängigkeiten zwischen Anlageklassen fraglich ist und sich dadurch die Risikoprofile von Portfolios verändern, ist ein Portfolio, das in vielen Szenarien positive Erträge erwirtschaften kann, langfristig höchst aussichtsreich.

Hedgefonds sollten von Anlegern daher nicht verteufelt werden. Mit dem richtigen Verständnis können sie ein strategischer Bestandteil und – gerade in Zeiten niedriger Zinsen – ein stabilisierender Anker im Portfolio sein. Zumal der wahre Wert dieser Strategien sich nicht in Bullenmärkten zeigt, sondern vielmehr in einem schwierigen Marktumfeld, wenn der Kapitalerhalt an Wichtigkeit gewinnt.

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Valentin Bohländer
Senior Analyst
HQ Trust
Inhalt
Von der Presse werden sie verteufelt, von vielen Investoren gemieden. Und dennoch lohnt im aktuellen Niedrigzinsumfeld ein objektiver Realitätscheck für die Anlageklasse Hedgefonds. Schon alleine, weil das neue Steuergesetz attraktive Investmentmöglichkeiten bietet.