Private Debt-Fonds bieten vermögenden Investoren auch in der Niedrigzinsphase die Chance auf eine attraktive Rendite. Aufgrund hoher Mittelzuflüsse haben sich die Konditionen zuletzt zwar etwas verschlechtert, umso mehr kommt es auf die Auswahl der besten Fondsmanager an.

Auch wenn die Finanzierungsform gerade stark gefragt ist: Die Idee hinter Private Debt ist nicht neu. Es handelt sich dabei um die private Kreditvergabe an Unternehmen. Neu ist nur der Kreditgeber. In den vergangenen Jahrzehnten hatten diese Aufgabe in Europa vor allem Banken übernommen. Der Unternehmer ging zu seiner Hausbank und bekam für seinen Finanzierungswunsch den passenden Kredit.

Ohne Finanzkrise wäre das vielleicht noch immer so. Doch nach dem Jahr 2008 mussten die Banken Risiken abbauen und strengere Anforderungen erfüllen, was ihre Kreditvergabefähigkeit einschränkte. Die Folge: Insbesondere Aktivitäten mit hohen Eigenkapitalanforderungen für Banken wurden zurückgefahren – was im Gegenzug die Finanzierungsquellen für kleine und mittelständische Unternehmen begrenzte. In diese Lücke sind seitdem alternative Investoren wie etwa Private Debt-Fonds vorgestoßen.

Was Private Debt-Fonds tun

Ihren Ursprung haben Private Debt-Fonds im angelsächsischen Raum, wo sie bereits seit den 1980er Jahren alternative Finanzierungsformen zur Verfügung stellen. So spielt etwa in den USA die private Kreditvergabe eine weitaus größere Rolle als in Europa, auch weil das Hausbankprinzip dort weniger verbreitet ist.

Mit Private Debt können unterschiedliche Sektoren finanziert werden

Private-Debt Fonds finanzieren vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die in der Regel nicht über ein Investmentgrade-Rating verfügen und auch keinen Zugang zu den Anleihe-Märkten haben. Ein Großteil ihres Finanzierungsbedarfs begründet sich durch Wachstums- und Akquisitionsfinanzierungen.

Und die Banken? Klassische Kredite gewähren die Geldhäuser zwar immer noch, aber sobald es komplizierter wird, etwa bei der Finanzierung einer Übernahme oder der Expansion ins Ausland, ziehen sich viele Kreditinstitute aufgrund regulatorischer Vorgaben zurück. Möchte ein mittelständisches deutsches Unternehmen beispielsweise eine Firma in Portugal übernehmen, dürfte es schwer sein, in einem der beiden Länder eine Bank für die Finanzierung des Vorhabens zu begeistern.

Was Private Debt für Kreditnehmer interessant macht

Es gibt etliche Punkte, die für diese Finanzierungsform sprechen:

  • Private Debt-Manager bauen durch ihre Beratung und die enge Zusammenarbeit langfristige Bindungen zu Unternehmen auf.
  • Die Kredite lassen sich schnell konzipieren, das Volumen wird aus einer Hand angeboten.
  • Kredite lassen sich so individualisieren, dass sie optimal zum Geschäftsmodell des Kreditnehmers, seiner Branchenkonjunktur, den Investitionsplänen und zum Wachstum passen.
  • Es handelt sich um Finanzierungen auf Zeit: Die Kredite werden in der Regel auf fünf Jahre vergeben, häufig aber schon früher zurückbezahlt.

Was Private Debt für Investoren interessant macht

An erster Stelle steht sicherlich die Rendite: Neben den Zinskupons, deren Grundlage oft ein variabler Zins ist, profitieren Investoren von unterschiedlichen Ertragskomponenten, die neben dem attraktiven Zins auch Gebühren und eigenkapitalähnliche Elemente enthalten können: Üblich sind bei Private Debt-Transaktionen meist Konzeptionierung-Gebühren zu Beginn, ein besonderes Entgelt als Schutz vor vorzeitiger Rückzahlung sowie Zinsuntergrenzen (Floors), was zu höheren Gesamterträgen führt.

Zudem bekommen Anleger eine Illiquiditätsprämie: Im Gegensatz zu öffentlich platzierten Unternehmensanleihen sind Private Debt-Fonds in der Regel illiquide, also nicht jederzeit handelbar. Jedes Auflagejahr deckt in der Regel eine Investitionsperiode von bis zu drei Jahren ab, die Laufzeit beträgt üblicherweise sieben Jahre. Allerdings liegen die Mindestsummen für einen Einstieg zum Teil oberhalb von denen im Bereich Private Equity. Bei Summen von weniger als einer Million Euro ist es schwierig, in Einzelfonds zu investieren.

Private Debt Fonds verfügen, je nach Finanzierungsstufe der Portfoliounternehmen, über unterschiedliche Tranchen, die deren Chance- und Risikoverhältnisse widerspiegeln: Die Verzinsung hängt sowohl von der Bonität des Schuldners als auch davon ab, wie der Kredit besichert ist.

Was Anleger über Private Debt wissen sollten

Zu den größten Gefahren der Anlageklasse zählt, dass sowohl die Anzahl der Private Debt-Fonds als auch das investierte Kapital seit der Finanzkrise deutlich gestiegen sind. Im Jahr 2009 wurden laut Analysehaus Preqin 80 Fonds aufgelegt, aktuell sind mehr als 200 im Fundraising. Auch wegen des historisch attraktiven Verhältnisses von Risiko und Rendite ist die Nachfrage sehr groß. Schließlich bekommen Anleger hier oft einen Ertrag von vier bis sechs Prozent bei erstrangig besicherten Krediten, bei historisch geringem Ausfallrisiko.

Das Problem: Aufgrund der hohen Nachfrage werden die Konditionen im Private Debt-Markt zunehmend kreditnehmerfreundlich. Die sogenannten Covenants enthalten bestimmte Pflichten für den Kreditnehmer und sollen dessen finanzielle Stabilität sicherstellen. Dennoch gab es in den vergangenen Jahren hier einige Erleichterungen, sogenannte Covenant-Lite-Transaktionen. Zudem erreicht der Verschuldungsgrad der Unternehmen (Anteil von Fremdkapital zu Betriebsergebnis EBITDA) fast die Rekordhöhen aus der Vorkrisenzeit. Hier ist allerdings zu beachten, dass der Eigenkapitalanteil an den Transaktionen deutlich höher ist als in Jahren von 2007 bis 2009.

Zudem ist, insbesondere in Europa, der Markt noch relativ jung. Es gibt nur wenige Manager, die über einen kompletten Konjunkturzyklus investiert haben: Ihnen fehlt die Erfahrung, Restrukturierungen begleitet haben und zusammen mit dem Kreditnehmer eine flexible Lösung zu finden.

Was gilt es bei Investments zu beachten?

Investoren sollten bei ihren Anlagen im Segment Private Debt breit streuen. Wichtig ist eine Diversifikation nach Kreditnehmern, Finanzierungsarten (Rangfolge und Besicherung) sowie nach Regionen (Europa/Nordamerika/Asien). Nordamerika und Europa sind die etabliertesten Märkte. Der asiatische Markt ist deutlich kleiner und volatiler. Zudem kann die Rendite einzelner Auflagejahre je nach Region unterschiedlich ausfallen. Da perfektes Timing nahezu unmöglich ist, sollten Anleger das Portfolio über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich aufbauen.

Entscheidend für die Performance ist der Zugang zu Top-Managern. Die Vergangenheit zeigt: Erfolg ist wiederholbar, die besten Manager erwirtschaften kontinuierlich gute Renditen.

Bei der Auswahl der Manager kann Investoren ein Multi Family Office wie HQ Trust unterstützen, das etablierte Beziehungen zu den Fondsmanagern pflegt und ein verlässlicher und konsistenter Investor ist. Ein solcher Partner kann für eine systematische Fondsauswahl und Portfoliokonstruktion nach bewährtem Prozess und basierend auf langjährigen Erfahrungen des Partners sorgen. Ziel ist eine maßgeschneiderte Allokation entsprechend der Bedürfnisse und des Rendite-Risiko-Profils des Kunden.

Zum Autor:

Jan Hoffmann ist seit 2011 bei HQ Trust und dort Partner sowie Leiter der Bereiche Private Equity und Private Debt. Seine Berufstätigkeit begann er im Jahr 2007 als Private Equity-Analyst. Jan Hoffmann studierte Volkswirtschaftslehre an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und absolvierte ein Kompaktstudium Private Equity an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.

Zu HQ Trust:

HQ Trust ist das Multi Family Office der Familie Harald Quandt. Wir kümmern uns um das Vermögen von Privatpersonen, Familien und Stiftungen sowie institutionellen Anlegern. Unser Team bietet Dienstleistungen in den Bereichen Family Office, Private Vermögensverwaltung sowie Alternative Investments, zu dem unter anderem Private Equity, Private Debt, Immobilien, Infrastruktur und Hedgefonds gehören.

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Jan Hoffmann
Partner | Leiter Private Equity und Private Debt
HQ Trust
Jan Hoffmann ist seit 2011 bei HQ Trust und dort Partner sowie Leiter der Bereiche Private Equity und Private Debt. Seine Berufstätigkeit begann er im Jahr 2007 als Private Equity-Analyst. Jan Hoffmann studierte Volkswirtschaftslehre an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und absolvierte ein Kompaktstudium Private Equity an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.
Inhaltsverzeichnis
  1. Was Private Debt-Fonds tun
  2. Was Private Debt für Kreditnehmer interessant macht
  3. Was Private Debt für Investoren interessant macht
  4. Was Anleger über Private Debt wissen sollten
  5. Was gilt es bei Investments zu beachten?