Manche Vermögensverwalter setzen auch bei Privatanlegern Risikosysteme wie Value at Risk ein und versprechen ihnen dadurch mehr Sicherheit fürs Depot. Es gibt eine viel bessere Lösung.

Eigentlich ist es ganz einfach. Zum Geschäft eines Vermögensverwalters gehört es, Kunden eine gewisse Rendite zu versprechen. Daher versuchen sie Abstürze an der Börse zu vermeiden. Das erledigen Profis oft durch den Abschluss einer Art Versicherung. Das Problem: Das kostet Geld. Und je mehr die Versicherungen kosten, desto stärker schrumpft die Rendite. Verzichtet der Vermögensverwalter aber darauf, um eine höhere Rendite zu erzielen, drohen ihm beziehungsweise seinen Kunden Verluste.

Dieser ständige Balanceakt zwischen Risiko und Rendite macht aber nicht nur Privatanlegern und ihren Vermögensverwaltern zu schaffen. Institutionelle Anleger, wie zum Beispiel Lebensversicherungen oder Pensionskassen, müssen aufgrund der Vorgaben der Finanzaufsicht Regeln befolgen, die Rendite kosten. Daher sind auch ihre mathematischen Modelle darauf ausgelegt, kurzfristige Einbrüche zu vermeiden. Das war lange Jahre sehr leicht: Sie legten das Geld ihrer Beitragszahler einfach zu 90 Prozent in Anleihen an. Die Zinsen daraus reichten in den vergangenen 30 Jahren, um die garantierte Rendite erwirtschaften zu können.

Der Staat produziert Altersarmut

Doch bekanntlich sind die Renditen der Anleihen durch die Niedrigzinspolitik der EZB seit Jahren außergewöhnlich niedrig, und nichts deutet darauf hin, dass sich diese Situation in den nächsten Jahren signifikant ändern könnte. Es ist deshalb absehbar, dass Pensionskassen und Lebensversicherungen in den nächsten Jahren das Vermögen ihrer Beitragszahler systematisch verkleinern werden. Hinzu kommt der kumuliert hohe Kaufkraftverlust durch langjährige Inflationsraten, mit dem sich der Staat zu Lasten der Sparer entschuldet. Erstaunlich genug, dass immer noch Millionen Lebensversicherungsverträge abgeschlossen werden.

Die Lösung des Problems könnte so einfach sein. Doch leider verhindert der deutsche Staat – anders als in Staaten wie den Niederlanden oder Großbritannien – dass zur Ruhestandsvorsorge in Aktien investiert werden darf. Und produziert damit selbst die Altersarmut, die er zu bekämpfen vorgibt. Ein Beispiel: Wenn ein 37 Jahre alter Mann monatlich 100 Euro in eine klassische Rentenversicherung anlegt, erhält er nach 30 Jahren eine monatliche Rente von 163 Euro. Investiert er den gleichen Betrag in ein globales Aktienportfolio, ergibt sich voraussichtlich eine Monatsrente von 294 Euro, wie mypension.de berechnet hat. Grund ist, dass globale Aktienanlagen über Jahrzehnte durchschnittliche Renditen von mindestens sechs Prozent einschließlich Dividenden bringen, inklusive zwischenzeitlicher Kurseinbrüche.

Kurzfristige Schwankungen sind irrelevant

Die Risiken sind fast zu vernachlässigen, da sie sich über die Jahre hinweg weitgehend ausgleichen. Für langfristig orientierte Privatanleger – insbesondere für das Sparen zur Altersvorsorge über mehrere Jahrzehnte – sind kurzfristige Kursschwankungen sogar vollkommen irrelevant, da die Risiken von Aktien in 30-Jahres-Zeiträumen wesentlich geringer sind als die von Renten. Das bedeutet: Anleger müssen sich gar nicht versichern. Besser ist, sie sparen die entsprechenden Kosten und kassieren im Alter weit höhere Auszahlungen als alle anderen Vorsorgestrategien.

Und was machen die Profis? Manche Vermögensverwalter setzen Risikosysteme wie Value at Risk (VaR) auch für Privatanleger ein und versprechen ihnen dadurch mehr Sicherheit. Das macht jedoch überhaupt keinen Sinn. Selbst kurzfristig taugen die für institutionelle Anleger entwickelten Risikosysteme nicht für langfristig orientierte Privatanleger. Denn das VaR-Konzept begünstigt Rentenanlagen zum falschen Zeitpunkt.

Wann immer seit dem Start des Volatilitätsindexes VDax vor mehr als 25 Jahren die Volatilität um mehr als 15 Prozentpunkte über den Durchschnittswert der vorangegangenen zwölf Monate gesprungen war – und bei den Anwendern dieses Systems die Aktienquoten heruntergedrückt wurden –, machte der Dax in den folgenden zwölf Monaten zwischen 10 Prozent und fast 60 Prozent Gewinn.

Die Botschaft ist klar

Das bedeutet: Wenn das VaR-Konzept hohe Risiken am Aktienmarkt ausmacht, sind tatsächlich die Risiken sehr niedrig und die Chancen sehr hoch gewesen. Zudem pflegen bei fallenden Aktienkursen die Rentenkurse zu steigen und umgekehrt – der Kunde kauft also bei einer Risikoreduktion Renten eher zu teuer ein, um sie nach einer Erholung der Aktienkurse niedriger wieder zu verkaufen.

Absichern oder nicht? Die Botschaft ist klar: Wer sein Geld langfristig in globalen Aktien anlegt, beispielsweise mit geeigneten Exchange Traded Funds (ETFs), braucht sich um die Absicherungsmathematik nicht zu kümmern und kann mit einer üppigen Rente im Alter rechnen.

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Reinhard Panse
Geschäftsführer, CIO
HQ Trust
Summary
Manche Vermögensverwalter setzen auch bei Privatanlegern Risikosysteme wie Value at Risk ein und versprechen ihnen dadurch mehr Sicherheit fürs Depot. Es gibt eine viel bessere Lösung.