Für Stiftungen geht mit dem Auslaufen der Anleihe-Rallye eine Epoche zu Ende: Über Jahrzehnte ermöglichten Renten eine risikoarme, auf Kapitalerhalt und ordentliche Erträge fokussierte Vermögensanlage. Jetzt ist Umdenken angesagt.

Über viele Jahre hinweg war es nicht schwer, mit einer nahezu beliebigen Mischung von Aktien und Renten an den Kapitalmärkten auskömmliche Renditen zu erwirtschaften. Anleihen waren ein sicherer Hafen und sorgten für solide Erträge. Aktien legten mehr oder weniger kontinuierlich zu. Zudem waren sie mit Bonds negativ korreliert: Fielen die Renten, stiegen zumeist die Aktien – und umgekehrt. Diese Kombination wirkte zugleich als Absicherung des Portfolios.

Doch diese Zeiten sind vorbei und es spricht viel dafür, dass es auch in den kommenden Jahren nicht mehr so einfach sein wird. Besonders stark trifft diese neue Herausforderung institutionelle Anleger, die eine ansprechende jährliche Rendite erzielen müssen wie etwa Stiftungen. Sie brauchen die Erträge zur Deckung laufender Kosten und um ihrem Stiftungszweck nachzukommen.

Stiftungen suchen ordentliche Erträge und Sicherheit

Entscheidend ist die Frage, wie Stiftungen auch zukünftig noch ordentliche Erträge erwirtschaften können. Die schlechte Nachricht: Dazu müssen sie ihre Komfortzone verlassen. Denn der angestrebte Kapitalerhalt ist nur noch möglich, wenn Risiken eingegangen werden. Bei einer Investition in eine Bundesanleihe steht heute schon fest, dass ein realer Wertverlust sicher ist.

Die Kunst des Geldanlegens besteht heute demnach oft darin, „gute“ Risiken zu identifizieren und diese bewusst einzugehen. Dabei spielen Faktoren wie Anlagehorizont und Liquidität eine zunehmend wichtige Rolle. Denn die Suche nach Ersatzinvestments für Anleihen mit guten laufenden Erträgen und Rückzahlungssicherheit führt immer öfter zu alternativen Anlageklassen wie Immobilien, Private Equity oder Hedgefonds – und damit Anlageklassen, in denen Stiftungen in aller Regel untergewichtet sind. Ihnen ist gemein, dass ihre höhere Renditeerwartung wesentlich durch Langfristigkeit oder Illiquidität bestimmt wird. Die gute Nachricht: Stiftungen können mit diesen Eigenschaften gut umgehen, weil sie einen sehr langfristen Anlagehorizont haben.

Die Kunst des Geldanlegens besteht heute oft darin, „gute“ Risiken zu identifizieren und diese bewusst einzugehen.

Das bedeutet aber auch: Mittlerweile wird eine langfristig ausgerichtete und risikooptimierte strategische Allokation immer wichtiger für die Erzielung der benötigten Wertentwicklung. Im Mittelpunkt steht demnach die Ausarbeitung einer langfristig diversifizierten Allokation zum realen Erhalt des Vermögens. Dabei bestimmt die Risikobereitschaft den potenziellen Mehrertrag über die Inflationsrate hinaus. Hinzu kommt die zusätzliche Bedingung, verlässliche ordentliche Erträge zur Umsetzung des Stiftungszwecks zu erwirtschaften.

Anleihen können das größte Risiko im Stiftungsvermögen darstellen

Diversifikation ist nicht nur über einzelne Anlageklassen sinnvoll, sondern je nach Stiftungsstock auch über die Mandatierung mehrerer Verwalter mit unterschiedlichen Kompetenzen. Angesichts dieser Problemstellung und der Tatsache, dass die Haftung aller Stiftungsgremien deutlich zugenommen hat, stehen Stiftungsvorstand, Geschäftsführung und Stiftungsaufsicht vor großen Herausforderungen. In einer Welt, in der vermeintlich risikoarme Anlageklassen wie Anleihen teils das größte Risiko im Stiftungsvermögen darstellen, ist Umdenken gefragt.

Akzeptieren die Stiftungsorgane diese neue Herausforderung, nähert sich die Stiftung immer mehr einem klassischen Family Office an. Auch die Anforderungen ähneln sich. Zum einen sind vielfältige regulatorische Vorgaben und Informationsanforderungen zu erfüllen. So ist die Erstellung von Planungsrechnungen, Vermögensrechnung und Jahresabschluss eine Kernaufgabe. Zum anderen findet sich auf der Aktivseite der Stiftungsbilanz ein essentieller Teil mit vermögensverwaltendem Charakter, den es professionell zu managen gilt. Gerade im Bereich der Vermögensverwaltung wird der Fokus daher verstärkt auf Transparenz und Kontrolle liegen.

Wealth Compliance-Dienstleistungen für Stiftungen

Stiftungen und risikobehaftete Anlagen schließen sich also keineswegs aus – ganz im Gegenteil. Schließlich lassen sich mit einem breiten Anlagemix auch in der Niedrigzinsphase ausschüttungsfähige Erträge generieren. Gleichzeitig ist professionelle Beratung heute mehr gefragt denn je. Viele Mandanten haben bereits erkannt, dass sich Risiken und potenzielle Nachteile heutzutage auf einer ganz anderen Ebene zeigen: Es geht zum Beispiel um die Mandatierung geeigneter Vermögensverwalter und die individuelle Ausgestaltung zielführender Anlagerichtlinien.

In diesem Umfeld kann es sinnvoll sein, diverse Aufgaben an einen Wealth Compliance Dienstleister auszulagern. Zusammenfassen lassen sich die Kernaufgaben eines Wealth Compliance Dienstleisters wie folgt:

  • Unterstützung des Stiftungsvorstands bei der Ermittlung der optimalen langfristigen Asset Allocation. Dabei müssen alle Nebenbedingungen wie etwa Liquidität oder Risikogrenzen beachtet werden.
  • Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Verwalter und regelmäßige Kontrolle der mandatierten Verwalter, auch im Hinblick auf die Gesamtvermögenssteuerung.
  • Unterstützung der Stiftungsorgane bei der Erfüllung ihrer Informations- und Rechenschaftspflichten. Dazu zählen etwa die laufende Budgetüberwachung oder die Berichterstattung gegenüber der Stiftungsaufsicht.
  • Zeitnahe und unabhängige Analyse der Rendite-Risiko-Positionierung des investierten Stiftungskapitals.

Und letztlich zeichnet sich der Wealth Compliance Dienstleister sowohl im Stiftungs- als auch Family Office Bereich dadurch aus, dass er Ansprechpartner für alle Themen außer der direkten Anlageentscheidung ist.

hq_christian_stadtmueller
Christian Stadtmüller
Senior Kundenberater
HQ Trust
Inhalt
Für Stiftungen geht mit dem Auslaufen der Anleihe-Rallye eine Epoche zu Ende: Über Jahrzehnte ermöglichten Renten eine risikoarme, auf Kapitalerhalt und ordentliche Erträge fokussierte Vermögensanlage. Jetzt ist Umdenken angesagt.