Nachdem zuletzt in verschiedenen kirchlichen Organisationen Schwächen in den Investmentprozessen ans Tageslicht kamen, stellen sich viele Verantwortliche die Frage, wie sie solche Vorfälle verhindern können. Eine Lösung ist Fiduciary Management.

Natürlich ist Eichstätt ein besonders drastischer Fall: Offenbar hat ein Mitarbeiter der dortigen Diözese in größerem Umfang Darlehen an US-Unternehmen vergeben, ohne diese Kredite abzusichern und die Kreditnehmer ausreichend zu prüfen. Das Bistum hat dazu nun einen detaillierten Bericht vorgelegt, die Staatsanwaltschaft München II ermittelt. Ein zweistelliger Millionenbetrag könnte verloren sein.

Die Forderungen der externen Prüfer sind klar: Auch Anleger aus dem kirchlichen Bereich benötigen wirksame Governance-Strukturen und eine professionelle Organisation. Auch für sie geht es darum, Herausforderungen in einem schwierigen Marktumfeld zu begegnen und anspruchsvolle regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Zeit ist häufig der kritische Faktor

Die Realität sieht oft anders aus: In vielen kirchlichen Organisationen liegt der gesamte Anlageprozess oft in den Händen einzelner Personen. Das Problem: Diesen Finanzverantwortlichen fehlt häufig die Zeit, sich intensiv um die Geldanlage zu kümmern, da sie in eine wachsende Anzahl strategischer und verwaltungstechnischer Aufgaben eingebunden sind.

Die Fremdvergabe einzelner Vermögensverwaltungsmandate ist oft der erste Schritt. Dennoch verbleiben viele Tätigkeiten auf Ebene der Einrichtung, wie die Kommunikation mit den Anlageexperten, die Formulierung der Gesamtanlagestrategie, die Berichterstattung über den Anlageerfolg, die Kontrolle der Tätigkeiten oder die Bilanzierung.

Eine Möglichkeit, diese Herausforderungen zu lösen, besteht darin, den Finanzbereich eigenständig auszubauen und Finanzprofis einzustellen. Dies ist allerdings mit hohen zeitlichen und finanziellen Aufwendungen verbunden, die mit der Komplexität der Anlageklasse auch noch überproportional steigen. Eine deutlich effizientere und flexiblere Alternative ist die Auslagerung dieser Tätigkeiten an spezialisierte Anbieter – im Fachjargon: Fiduciary Management. Diese Dienstleistung wird auch in Deutschland in den letzten Jahren immer beliebter.

Treuhändische Verwaltung des Vermögens

Der Begriff Fiduciary Management kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Dort haben zu Beginn der 2000er Jahre Pensionskassen erstmals den gesamten Investmentprozess aus Kapazitätsgründen ausgelagert. Beim Fiduciary Management dreht sich alles um die treuhändische Verwaltung des Vermögens: Der Fiduciary Manager ist Interessensvertreter des Eigentümers und kümmert sich um die Steuerung der gesamten Vermögensbewirtschaftung.

Der Fiduciary Manager hat vielfältige Aufgaben

Damit ist allerdings nicht gemeint, dass er aktive Entscheidungen trifft, ob das Geld derzeit eher in Versorger oder Technologietitel investiert werden soll. Seine Aufgabe ist es vielmehr, gemeinsam mit dem Eigentümer die Leitlinien und Zielsetzungen von dessen Geldanlagen festzulegen: Zusammen definieren sie übergeordnete Anlagerichtlinien und die strategische Ausrichtung des Vermögens. Der Fiduciary Manager leitet daraus anschließend die Vorgaben ab für die, die nachher mit der operativen Verwaltung des Vermögens beauftragt werden.

Konkret überprüft der Fiduciary Manager die Vermögensverwalter, die der Kunde bereits hat, und schreibt bei Bedarf Mandate neu aus. Und er übernimmt auch die gesamte Kommunikation: Von der Ausarbeitung von Anlagestrategien, über das konsolidierte Reporting an den Eigentümer bis hin zur Abstimmung mit dem Wirtschaftsprüfer. Hinzu kommt die Kontrolle der Partner: Tun diese auch das, wofür sie ausgewählt worden sind?

Die Vorteile von Fiduciary Management

Könnte professionelle Hilfe nicht viel einfacher aussehen, etwa indem eine kirchliche Einrichtung einfach einen Vermögensverwalter beauftragt, der sich um die gesamte Geldanlage kümmert? Nein.

Unserer Ansicht nach ist das zu kurz gesprungen: Es ist sinnvoller, die beiden Ebenen – die operative Umsetzung und die Kontrolle – zu trennen. Gerade das macht eine professionelle Governance aus. Dies zeigen die aktuellen Entwicklungen in Eichstätt und anderen Einrichtungen.

Der Fiduciary Manager schafft Entlastung, da bei ihm alle Fäden zusammenlaufen. Er hat den Überblick über die Manager, verschafft Zugänge und bietet ein konsolidiertes Reporting an. Für den Kunden bedeutet dies viele Vorteile: Er muss sich weder darüber Gedanken machen, ob jemand krank wird, noch darüber, dass ihn jemand betrügt.
Denn Fiduciary Manager haben klare interne und externe Aufsichtsprozesse: Sie unterliegen der Aufsicht als Finanzdienstleister. Zudem ist der Kunde hochflexibel. Er kann aus einem großen Angebot bestimmte Leistungen nutzen. Doch selbst, wenn er sich nur für einen Teil des Angebots entscheidet, kommt es relativ schnell zu einer deutlichen Professionalisierung seiner Vermögensanlage sowie Einsparungen bei den Verwaltungskosten der Kapitalanlagen.

Maßgeschneiderte Lösungen, frei von Interessenkonflikten

Fiduciary Management, die treuhänderische Verwaltung des Finanzvermögens, bringt eine Effizienzsteigerung und deutlich mehr Transparenz im Vermögensanlageprozess. Und es kann Schlimmeres verhindern. Am Fall Eichstätt: Bei einer Kreditvergabe in die USA etwa würde der Fiduciary Manager zuerst einen Abgleich machen: Erfolgt die Darlehensvergabe anhand der Leitlinien, die sich der Eigentümer gegeben hat?

Und dann würde er vermutlich schnell zu dem Punkt kommen: Nein, das ist nicht der Fall. Beispielsweise weil der Betrag zu hoch ist. Oder weil in den Richtlinien steht, dass keine direkten Kredite vergeben werden dürfen. Oder dass Kreditvergaben nur über börsengehandelte Schuldverschreibungen erfolgen dürfen. Und dann würde der Fiduciary Manager Einspruch erheben.

Zum Autor:

Sebastian Winters ist seit 2016 an unserem Standort in Düsseldorf tätig. Als Managing Partner ist er verantwortlich für die ganzheitliche Beratung und Betreuung von kirchlichen Einrichtungen und Stiftungen. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die professionelle Strukturierung und effiziente Steuerung komplexer Vermögen.

Zu HQ Trust:

HQ Trust ist das Multi Family Office der Familie Harald Quandt. Wir kümmern uns um das Vermögen von Privatpersonen, Familien, kirchlichen Einrichtungen und Stiftungen sowie institutionellen Anlegern, wie Pensionskassen und Versorgungswerke. Unser Team bietet Dienstleistungen in den Bereichen Family Office, Fiduciary Management, Private Vermögensverwaltung sowie Alternative Investments.

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Sebastian Winters ist seit 2016 an unserem Standort in Düsseldorf tätig. Als Managing Partner ist er für die ganzheitliche Beratung und Betreuung von kirchlichen Einrichtungen und Stiftungen verantwortlich. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die professionelle Strukturierung und effiziente Steuerung komplexer Vermögen.
Inhaltsverzeichnis
  1. Zeit ist häufig der kritische Faktor
  2. Treuhändische Verwaltung des Vermögens
  3. Die Vorteile von Fiduciary Management
  4. Maßgeschneiderte Lösungen, frei von Interessenkonflikten
  5. Zum Autor:
  6. Zu HQ Trust:
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