Venture Capital (VC) ist stark gefragt, das Volumen der aufgelegten Fonds befindet sich auf einem Rekordniveau. Jochen Butz und Kay Gallus sprechen im Interview über die Chancen und Risiken dieser Anlageklasse, aktuelle Trends – und Einhörner.

Herr Gallus, sind Investments in die Anlageklasse Venture Capital nicht furchtbar riskant?

Kay Gallus: (lacht) Die schwierigste Frage zuerst? Gerne! In der Tat sind Investments in diesem Bereich risiko- aber eben auch chancenreicher als Anlagen in viele andere Produkte. Schließlich geht es bei Venture Capital um Investitionen zur Finanzierung junger Unternehmen in der Frühphase ihres Lebenszyklus. Und dabei handelt es sich um Firmen, die ein Produkt oder eine Technologie entwickeln und noch nicht profitabel arbeiten.
Jochen Butz: Wichtig ist sicherlich auch noch, dass es sich bei Venture Capital um eine Subkategorie des Private-Equity-Markts handelt – übrigens die größte neben dem Buyout-Segment, das sich allerdings genau am anderen Ende des Finanzierungsspektrums befindet. Bei Buyout-Investments geht es zumeist um reife und entwickelte Unternehmen, häufig aus traditionellen Sektoren.

In welchen Bereich investieren VCs?

Kay Gallus: Die Mehrheit der VC-Fonds hat einen dedizierten Fokus auf ausgewählte Sektoren und teilweise sogar einzelne Technologien. Das können beispielsweise Themen wir Digitalisierung oder Biotech sein. Für solche Investments schließen sie sich häufig mit anderen VCs zusammen.

Ist Venture Capital genauso stark gefragt wie Private Equity?

Jochen Butz: Das Fundraising-Volumen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und befindet sich auf einem Rekordniveau. Die Anzahl aufgelegter Fonds ist seit 2017 allerdings stark rückläufig.

Es besteht also ein Trend hin zu größeren Fonds?

Jochen Butz: Ja, dies spiegelt die Tendenz von Investoren wider, mit bewährten Fondsmanagern zu investieren. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die besten VC-Fondsmanager relativ kontinuierlich auch die beste Performance erwirtschaften. Hierdurch konzentriert sich immer mehr Kapital auf weniger Fonds.
Kay Gallus: Konkret wurden im Jahr 2020 mehr als 364 Milliarden Dollar in Venture Capital investiert. Dies entspricht einem Anstieg um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 50 Prozent des globalen investierten Kapitals entfiel auf die USA – und davon etwa die Hälfte auf den Bundesstaat Kalifornien, also vor allem das Silicon Valley.

Aufteilung des investierten Kapitals

Wer investiert denn in Venture Capital?

Jochen Butz: Das ändert sich gerade. Neben den traditionellen Venture-Capital-Investoren, also insbesondere VC-Fonds, ist in den vergangenen Jahren der Anteil der sogenannten nicht-traditionellen Investoren stark gestiegen. Diese Gruppe umfasst Konzerne mit Venture-Capital-Investitionssparten, Staatsfonds, Asset Manager aus dem liquiden Bereich sowie Investmentbanken. Im ersten Quartal des Jahres 2021 wurden 78 Prozent der Finanzierungen durch diese nicht-traditionellen Investoren getätigt.

Finden die Investoren überhaupt noch ausreichend attraktive Investitionsziele?

Jochen Butz: In Folge der hohen Mittelzuflüsse in die Anlageklasse hat sich das Volumen an nicht investiertem Kapital, das sogenannte Dry Powder, über die letzten Jahre deutlich erhöht und befindet sich aktuell auf einem Höchststand. Aufgrund der hohen Investitionsgeschwindigkeit könnte das komplette Dry Powder aber bereits in nur 0,83 Jahren investiert werden. Das ist also nicht Besorgnis erregend. In anderen Private-Equity-Segmenten ist diese Zahl zum Teil deutlich höher.
Kay Gallus: Tendenziell beteiligen sich nicht-traditionelle Investoren vermehrt in späten Finanzierungsrunden an den größten Transaktionen im Markt. Durch die vermehrte Beteiligung dieser Investorengruppe wird der Trend zu höheren Bewertungen und somit mehr Unicorns verstärkt.

Unicorns – also Einhörner?

Kay Gallus: Genau! Unicorns nennt man Startups, die vor dem Börsengang oder einem Exit einen Marktwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar haben. Ihre Zahl ist zuletzt rapide angestiegen. Der Großteil entfällt hierbei auf Nordamerika und Asien. Diese beiden Regionen haben mehr als 80 Prozent der globalen Einhörner hervorgebracht.

Globale Verteilung von „Unicorns“ und Gesamtanzahl

Steigt die Anzahl der Einhörner auch in der Zukunft weiter?

Jochen Butz: Aufgrund der hohen Bewertung bleibt als primärer Exit-Kanal für Unicorns meist nur der IPO (Initial Public Offering), also der Börsengang. Die zukünftige Exit-Aktivität hängt also maßgeblich von einem robusten IPO-Umfeld ab.
Kay Gallus: Wichtig ist, dass hier nicht der schnelle Dollar gemacht werden soll: Seit der Dotcom-Krise in den frühen 2000er Jahren sind Haltedauern länger geworden. Sie haben sich zuletzt bei rund zehn Jahren zwischen Gründung und IPO eingependelt. Diese Entwicklung kann man insbesondere bei schnell wachsenden Unternehmen, die hohe Bewertungen erreichen, noch stärker beobachten. Anfang der 2000er Jahre wurden diese Unternehmen noch deutlich früher veräußert.

Hört sich nach einer spannenden Investment-Idee an …

Jochen Butz: Aus Portfoliogesichtspunkten kann eine Beimischung sinnvoll sein – wenn der Investor sich der Risiken bewusst ist. Im Durchschnitt bringen 65 Prozent aller durchgeführten Venture-Capital-Deals weniger als das investierte Kapital zurück. Es kommt also stark darauf an, in die besten Manager zu investieren. Gute Fonds haben nicht nur eine höhere Anzahl erfolgreicher Investments, sondern auch monetär erfolgreichere Investments.

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Jochen Butz
Geschäftsführer
HQ Trust
Jochen Butz ist Geschäftsführer von HQ Trust und verantwortet darüber hinaus den Fachbereich Alternative Investments, zu dem unter anderem Private Equity, Private Debt, Immobilien, Infrastruktur und Hedgefonds gehören. Jochen Butz verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Finanzwirtschaft, für HQ Trust arbeitet er seit dem Jahr 2011.
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Kay Gallus
Partner | Director - Private Equity
HQ Trust
Kay Gallus ist seit dem Jahr 2019 bei HQ Trust und verantwortlich für die Identifizierung und Prüfung von Private Equity-Investitionen sowie die Begleitung von Kunden bei der Planung, Umsetzung und laufenden Überwachung der Private Equity-Portfolios. Er hat an der Universität Konstanz (BSc) und der Frankfurt School / Copenhagen Business School (MSc) studiert. Erfahrungen in der Finanzbranche sammelte Kay Gallus unter anderem bei (Private Equity-) Investmenthäusern und Banken.